04Nov.

In Deutschland zählt noch immer das Papier.

Das Zeugnis. Die Ausbildung. Der Stempel auf dem Abschluss.

In den Niederlanden? Dort fragt man längst: Welche Fähigkeiten bringst du mit?

Nicht: „Was hast du gelernt?“

Sondern: „Was kannst du morgen beitragen?“

Der deutsche Arbeitsmarkt sucht händeringend Fachkräfte, hält aber an einem System fest, das Talente ausschließt.

Solange wir weiter auf Abschlüsse statt auf Fähigkeiten setzen, bleiben wir im Rückspiegel stecken.

1. Was Skills Based Hiring wirklich bewirkt

Bei Skills Based Hiring geht es nicht um Titel oder Zertifikate, sondern um Können, Lernfähigkeit und Haltung.

Laut dem LinkedIn Economic Graph Research Institute können Unternehmen ihren Talentpool weltweit im Schnitt um das 6,1-Fache vergrößern, wenn sie auf Skills statt auf Lebensläufe setzen.

In Bereichen wie KI oder Tech sogar um das 8,2-Fache.

Und Mitarbeitende ohne Bachelorabschluss haben im Schnitt 6 Prozent bessere Chancen, wenn Fähigkeiten wichtiger sind als der Bildungsweg.

Kurz gesagt: Wer schaut, was jemand lernen kann – nicht nur, was er gelernt hat – hat die Nase vorn.

2. Warum die Niederlande voraus sind

Die Niederlande haben einen flexibleren Arbeitsmarkt, kürzere Ausbildungswege und Arbeitgeber, die Neues ausprobieren.

Dort zählt längst, was jemand kann – nicht, welches Diplom auf dem Tisch liegt.

Ein Bewerber ohne Abschluss, aber mit Motivation und Lernbereitschaft, bekommt dort eher eine Chance.

Nicht, weil man weich ist. Sondern, weil es funktioniert.

Unternehmen, die auf Skills statt auf Zeugnisse setzen, besetzen Stellen schneller und halten Mitarbeitende länger.

Genau das braucht der deutsche Markt – und genau da fehlt oft der Mut, etwas zu verändern.

3. Was die Zahlen über Deutschland sagen

Laut StepStone setzen nur rund zwei Drittel der deutschen Unternehmen überhaupt auf irgendeine Form von Skills Based Hiring.

Im Vereinigten Königreich sind es etwa 85 Prozent.

Und trotzdem berichten nur 11 Prozent der deutschen Unternehmen von negativen Erfahrungen, wenn sie Abschlüsse weniger wichtig nehmen.

Heißt: Wer es ausprobiert, will nicht mehr zurück.

Gleichzeitig prognostiziert Cedefop, dass die Beschäftigung in Deutschland zwischen 2022 und 2035 leicht sinkt (-0,3 % pro Jahr), während Länder wie die Niederlande wachsen.

Ein festgefahrenes System hilft also nicht, den Fachkräftemangel zu lösen.

4. Was Deutschland lernen kann

Die Lösung ist nicht noch ein Kurs, noch ein Zertifikat oder noch ein Formular.

Die Lösung ist Mut.

Mut, das Gespräch mit der Frage zu beginnen: „Was kannst du wirklich?“

Und Mut, interne Auswahlprozesse zu verändern – weniger Bürokratie, mehr Mensch, mehr Tempo.

Deutschland hat großartiges Handwerk, loyale Mitarbeitende und eine starke Ausbildungskultur.

Aber eins fehlt: das Vertrauen, dass Talent nicht immer auf Papier passt.

Fazit

Deutschland, es ist Zeit, die Mappe zu schließen und den Menschen zu sehen.

Wer heute noch auf Zeugnisse setzt, verpasst morgen das Talent.

Potenzial statt Papier.

Das ist keine Mode – das ist Zukunft.